Alexander Polzin - Documents
Home
Series
Paintings
Sculptures
Stagedesign
Illustrations
Documents
Contact
Press

THOMAS BRASCH
Alexander P.

In jener Zeit, als das Wünschen und das Fürchten noch geholfen hat, lebte mein Großvater in der Stadt B. und verrichtete seinen Dienst als Wärter im dortigen Gefängnis bis zu dem Tag, als er einen Ausbruchversuch am Tor A unternahm, was ihm eine Haftstrafe von fünf Jahren eintrug, von denen ihm jedoch sieben Monate erlassen wurden, nachdem er sich verpflichtet hatte, zehn Jahre Dienst als Irrenwärter zu tun, da sich die Anzahl der psychischen Patienten von B. verdreifacht hatte und bei meinem Großvater erbliche Blödheit nicht festzustellen war bis zu dem Tag nach vier Jahren auf seinem neuen Arbeitsplatz, als er wie schon einmal das Weite durch Tor B suchen wollte und auf Block C in die Gummizelle quartiert wurde, wo ihn in seinen letzten Jahren mein Vater bewachte, der, als er seinem Erzeuger mit gutgemeinten Elektro-Hitze- und Schlafentzugstherapien das Leben nahm und daraufhin zum Friedhofswärter degradiert wurde, was ihn so sehr verletzte, daß er sich sein Grab schaufelte und es bezog mietfrei, um seine Karriere als Himmelswärter fortzusetzen, was ihm jedoch von höheren Mächten verwehrt wurde, die statt dessen mich zu einem Wachhund zu verwandeln sich genötigt sahen, schon bevor ich im eigentlichen Sinn geboren war, was ich jedoch kaum bedauern kann, angesichts der Ehre, die mir zuteil wird zu verwahren und bewachen, was meine Vor-Gänger waren: Nur, daß die beiden so nach Menschen riechen ... Ekel-Haft.