Alexander Polzin - Documents
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Prof. Herbert Lachmeyer
Beitrag für die Ausstellung von Alexander
Polzin in der Galerie Ariadne im November 97

Die Prüfung der Wahrhaftigkeit von Malerei mag darin bestehen, daß die Spannung aus Komposition, Farbkraft und inhaltlicher Dichte am relativierenden Blick des Publikums sich nicht verliert. Im Wiederstand seiner malerischen Immanenz beharrt das Bild als ein aktuelles gegen die Trendflüchtigkeit ästhetischen Verzehrs. Gerade seiner räumlichen Beschränktheit verdankt sich die Unendlichkeit malerischer Illusion - die magische Komponente ihrer Einwirkung aufs Unbewußte, immer auch am Bewußtsein vorbei, es aber unwillkürlich und indirekt miterzeugend, Malerei vermittelt sich ihren Betrachtern in Zetlichkeit.

Obgleich als Raum - Kunst zweidimensional vorgetragen, entsteht im wechselhaften Verweilen des Blicks ein ästhetischer Erlebnisstrom, der die Betrachtenden ins Bild setzt, gleichsam zu einer psychotechnischen Bewegung, zu einer Reise auffordert. Gelungen scheint Malerei immer dann, wenn sowohl die Komposition als ein Ganzes, als auch das Detail im atomistischen Fokus den selben Kosmos eröffnen: in dieser Bewegung kein Einhalt gebieten. Symbolisch ist Malerei nicht nur in identifizierbarer Gegenständlichkeit, Die atmosphärische Identität ihrer formalen wie inhaltlichen Dichte besteht jenseits einer ikonografischen Deutungsvorgabe und diesseits eines ablesbaren Plots.

In diesem Sinne sind die Bilder von Alexander Polzin autonom, beharrlich und provozieren Ambiguität: autonom - weil sie in einem multistilistischen Pluralismus sperrig und sich dem Kunstmoden-Diskurs auch durch Konventionalität verweigern; beharrlich - weil die Bannungsmöglichkeit des malerischen Mediums gegen die zeitgemäße multimediale Auflösung von Kunst in Kulturdekor mit Konsequenz gewagt wird; ambiguös - weil in manchen seiner Bilder die Dichte des Informellen schemenhaft ans Gegenständliche heranreicht, ohne sich je im Figurativen zu verlieren. Alles schon dagewesen, könnte man sagen. Doch entscheidend ist die an der Farb - Form - Kontextualität gewonnene Intensität und Lebendigkeit von Polzins Bildern - in Ferne getaucht, kehrt man in eine reflexive Stimmung zurück, die Gefühle vorauswirft: "Was an den Kunstwerken knistert, ist der Laut der Reibung der antagonistischen Momente, die das Kunstwerk zusammenzubringen trachtet," (Theodor W. Adorno)

Wien, am 11. Oktober 1997