Press Coverage
CENTER OF GRAVITY
By Rony V. Diaz
Vindication
AFTER about 400 years, two victims of religious bigotry and superstition were vindicated.
Galileo Galilei was accused of heresy by the Holy Office of the Inquisition of the Roman Catholic Church for believing that the Sun and not the Earth was at the center of the "known world." He recanted but was still punished with house arrest until he died in 1642, the year Isaac Newton was born.
Giordano Bruno was arrested and turned over to the Inquisition for the same "crime" in 1592. Unlike Galileo, Bruno refused to recant; he was burned at the stake in 1600.
It's not possible to ignore Galileo in any history of science. But the science textbooks that are used by Catholic elementary schools credit him only for the invention of the telescope and for the experiments that proved that the speed of falling bodies in a vacuum is independent of their weight. Not a word about the Dialogue on the Two Chief World Systems, Ptolemaic and Copernican that got him into trouble with the Roman Catholic Church nor about his Discourse Concerning Two New Sciences that had to be smuggled to Protestant Holland for publication. This book established the modern scientific method of observation, experiment, and the use of mathematics to analyze and record the results.
Giordano Bruno does not figure in any of these textbooks. Not surprising, because Bruno's contributions to science were in mathematics and were not as overarching as Galileo's.
Bruno was attracted to Copernicanism partly because he was a follower of a cult called Hermetism that originated in Egypt during the time of Moses. Not to put too big a point on it, Hermetists believed that the Sun was a god. A Sun-centered cosmology was a dogma of Hermetism. The evidence, however, that Bruno became a Copernican because he was a Hermetist is weak. He left the cult to joint the Dominican order but left it also after a few years.
The records of his trial by the Inquisition have been lost but it would seem that he was finally condemned to burn not primarily because he was a Copernican but because he was an Arian, another cult that believed that Christ had been created by God and was not God incarnate.
As John Gribbins in Science a History put it: "If it hadn't been for Bruno, Copernicanism might never have received such adverse attention from authorities, Galileo might not have been persecuted and scientific progress in Italy might have proceeded more smoothly."
In 1979, Pope John Paul II thought that it was time to put aright the sorry episode of Galileo. He instructed the cardinals to think of ways to bring this about without damaging too much the authority of the Roman Church. Last month, the Vatican decided to put up a monument to Galileo.
With this statue, Nicola Cabibbo, the head of the Pontifical Academy of Sciences, told The Times of London that "the Church wants to close the Galileo affair and reach a definitive understanding not only of his great legacy but also the relationship between science and faith."
But Simone Recchi, a physicist at the University of Trieste in Italy, was less forgiving. On March 14, she told Science that she "think[s] that the statue is a way for the Church to get away [from] the Galileo affair without embarrassment." It's not enough, she said. To win over the scientific community, the Roman Church must concentrate on present problems - such as stem cells, contraceptives, euthanasia, abortion - and open a fair debate.
The commemoration for Bruno was a secular affair. On March 2, a memorial was unveiled in Berlin's Postsdammer Platz. It's a sculpture of an upside-down figure, suggesting flames, by Alexander Polzin. The six-meter-high statue in one of the most prominent places in Berlin is intended to make passersby think about the role of reason in contemporary times.
Jürgen Renn of the Max Planck Institute for the History of Science told Science that "by turning a worldview on its head," the sculptor successfully communicated how scientific discoveries are made.
Ernest Salcher of the Giordano Bruno Foundation said that the memorial should remind the viewer of the need for tolerance and the value and price of free thought.
Our own cardinals, archbishops, bishops and clergy should seriously think of ridding the Catholic faith of bigotry and superstition.
For starters, they should prescribe for Catholic schools science textbooks that are not distorted by dogma. The Vatican has relented, why shouldn't they?
Sunday, April 20, 2008
The Manila Times
Auch der Atheismus pflegt seine Heiligen
Giordano Bruno, der Philosoph, Unendlichkeitsdenker und Ketzer, erhält in Berlin ein Denkmal.
Doch wem zu Ehren? Die Giordano Bruno-Stiftung hieße jedenfalls besser Ernst-Haeckel-Verein.
Von Thomas Thiel
Was ist das für eine eigenartig unfeierliche Versammlung, die den sonntäglichen Passagierbetrieb auf der Zwischenetage der Berliner S-Bahn-Station Potsdamer Platz unterbricht? Rolltreppenaufwärts, rolltreppenabwärts streifen die Blicke der Passanten eine Menschentraube, die sich um eine auf dem Kopf stehende Holzfigur gruppiert hat. Durch die gläserne Überdachung der Station geht der Blick nach oben, entlang der insektenartigen Beine der Skulptur und der Fassaden der umliegenden Hochhäuser in den grauen Berliner Himmel. Der Kopf der Plastik endet breit gestülpt auf einer Bronzeplatte im Boden, vielleicht ein Ausdruck der vielen Denkverbote, die auf ihm lasteten. Etwas Versehrtes, Geschundenes, Märtyrerhaftes geht von der vielfach in sich verschraubten Skulptur, ihren überdimensional gespreizten Händen und ihrer femininen Taille aus.
Die Rolltreppe spuckt derweil immer neue Menschen aus, die in die Menge drängen. Der Schriftsteller Durs Grünbein schlägt den Mantelkragen höher und verspricht, der Wind verweht die Worte, sich kürzer zu fassen, als er es eigentlich wollte, während sich in der Menge ein umtriebiger Mann mit Hut, Dreitagebart und langem Mantel hervortut. Alles bewegt sich, stockt und staut sich, staunt einen Moment, fährt weiter. Was ist geschehen?
Der Renaissancephilosoph Giordano Bruno war ein Wandermönch und Ketzer, der sich für die Unendlichkeit des Universums, die Vielheit und Bewegtheit der Welten aussprach, der mit der strengen Lehre der katholischen Kirche kollidierte und im Jahrhundert der Gegenreformation auf dem Scheiterhaufen der Inquisition verbrannte. Um sein entfesseltes, unorthodoxes Denken zu wahren, floh er vom süditalienischen Nola über Oxford, Wittenberg, Paris und Budapest durch halb Europa. Dieser unruhige Philosoph also soll in Berlin, Potsdamer Platz, durch ein Denkmal des Künstlers Alexander Polzin als Säulenheiliger der Aufklärung verewigt werden.
Der eisige Berliner Wind verweht auch Durs Grünbeins Einwand gegen die ideologischen Umstände der Denkmalerrichtung. Er wolle der morgigen Expertentagung nicht vorgreifen, hatte er sagen wollen, doch er halte es für bedenklich, einen vielseitigen, schwärmerischen, ungreifbaren Geist wie Giordano Bruno durch einen selbstgewissen Szientismus zu vereinnahmen. Die Tagung, der Grünbein nicht vorgreifen möchte, findet am nächsten Tag im Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin-Dahlem statt. Das Institut gehört zusammen mit der Giordano-Bruno-Stiftung zu den Initiatoren des Denkmals.
Eine seltsame Allianz hat sich da gebildet, kämpft das Institut doch seit Jahren gegen jenen platten Naturalismus an, den die Bruno-Stiftung verkörpert. Die Stiftung nämlich ist es, die Grünbein mit seinem vom Wind verschluckten Szientismus-Vorwurf gemeint hatte und die schon in der eigenen Namensgebung den Renaissancephilosophen für jene Mischung aus Evolutionstheorie und Managementtheorie einverleiben möchte, den sie sich in ihre aufklärerische Agenda schreibt. Die Bruno-Stiftung ist ein Verbund von Naturalisten, die jede Form der Metaphysik und Religiosität erbittert befehden.
Zur zweiten Vortragsrunde der Dahlemer Tagung schneit auch der umtriebige Mann mit dem Mantel und dem Dreitagebart herein und setzt sich ans hintere Ende des Auditoriums. Es ist Michael Schmidt-Salomon, der Vordenker und Vorsitzende der Stiftung, ein unermüdlicher Aktivist, der mit Aktionen wie einer Verballhornung des katholischen Weltjugendtages und der Gründung eines Zentralrats der Ex-Muslime ("Wir haben abgeschworen") auf sich und die Stiftung aufmerksam machte. Schmidt-Salomon ist wenig zufrieden mit dem, was er hören muss, so wenig, dass er immer wieder auf seinem Stuhl nach vorne rückt, Kopf und Oberkörper in Richtung des Podiums streckt und Missvergnügtes zu seinem Sitznachbarn murmelt.
Was ist es, das Schmidt-Salomon so unzufrieden stimmt? Es sind Sätze wie diese: Giordano Bruno könne trotz seines Kampfes gegen die kirchliche Lehre, die ihn bis heute nicht rehabilitiert hat, nicht einfach als Atheist betrachtet werden, sagt etwa Kuno Füssel, der einmal in Münster Priester war, bis ihm seine Kirche Berufsverbot erteilt hatte, und der schon durch seine Biographie zeigt, dass man nicht zum Naturalisten werden muss, wenn man mit den katholischen Dogmen nicht übereinstimmt. Brunos Denken, so Füssel, gehe nicht in Kategorien wie Monismus oder Neuplatonismus auf. Er sei von allem etwas, als solcher unverrechenbar.
Bei Bruno tropften Metaphysik und die Religion, die Erzgegner der Bruno-Stiftung, aus allen Löchern, fügt der Berliner Philosoph Wilhelm Schmidt-Biggemann hinzu. Verankert in hermetischen Traditionen, könne er nicht im Sinne der Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts betrachtet werden, zu der ihn das Denkmal zählen will. Und noch weniger im Sinn des Positivismus aus dem neunzehnten Jahrhundert: Die Bruno-Stiftung suche wohl eine Märtyrergestalt für ihre eigenen Zwecke, so wie die Naturforscher einst Ernst Haeckel zum Gegenpapst wählten. Michael Schmidt-Salomon scharrt und schnaubt derweil, interveniert jedoch nicht, sondern wendet sich zu seinen Sitznachbarn, denen er sein Unbehagen am Tagungsverlauf vermittelt: "Bei dem Thema wirklich nur das zu bringen!" Als hätte Bruno seine Religiosität im Inquisitionsprozess nicht nur vorgetäuscht!
Schmidt-Salomon hat zwei Bücher geschrieben: ein Ferkel-Buch, in dem er die Weltreligionen aus der Sicht eines Schweinchens grob karikierte und das auf dem Index der Bundesprüfstelle landete. Sein erstes Werk ist das "Manifest des evolutionären Humanismus", eine Art Programmschrift der Stiftung. Dort ist für Hermetik und Neuplatonismus kein Platz, dafür umso mehr für das allumfassende Prinzip des Nutzens, auf das der Autor die Menschheit verpflichten will. In der anschließenden Kaffeepause bleiben die Kooperationspartner merkwürdig distanziert, bis sie am Abend aus organisatorischen Gründen wieder näher zusammenrücken.
Es ist feierlich im Senatssaal der Humboldt-Universität. Der Schauspieler Ulrich Matthes liest aus dem steilen Werk Giordano Brunos: "Eins ist die Wirklichkeit, Eins die Form der Seele, Eins die Ursache, Eins das Wesen." Ist das Metaphysik, ist das Monismus, sind Brunos Worte solchen Kategorien am Ende gar nicht bündig einzufügen? Michael Schmidt-Salomon wird später zugeben, dass seine Auswahl der Texte wohl etwas verzerrend im Sinne des eigenen Anliegens war. Denn Bruno zum Vertreter einer wissenschaftlichen Weltanschauung zu machen ist nicht im Sinn seiner Diskussionspartner, des Philosophen Richard Blum (Baltimore) und des Wissenschaftshistorikers Yehuda Elkana (Budapest). War Bruno, der so viele Widersprüche in seinem Denken vereinigte, nicht geradezu ein Antagonist der Denkzwänge der Aufklärung, fragt Elkana. Und wären ihm nicht alle Aufklärungswerte, das Reduktionistische der Aufklärer und ihre Angst vor Widersprüchen, fremd geblieben?
Schmidt-Salomon wendet sich nun kurz gegen einen reduktionistischen Mechanismus, wirft Materialismus und Monismus anschließend in einen großen Topf, und plötzlich spricht er von der Poesie des Wissens, die wir erst noch zu entdecken hätten. Das könnte schwierig werden, wenn man, wie er es in seinem Manifest tut, alle Dinge im Leben des Menschen auf das Nutzenprinzip reduziert, und alles, was darüber hinausgeht, als schwärmerische Illusion disqualifiziert. Ist es also eine Art Überschusspoesie, die Schmidt-Salomon erträumt? Vielleicht.
Christoph Markschies, der Präsident der Humboldt-Universität, will sich eigentlich, so sagt er, auf die Rolle des Moderators beschränken. Doch ein gelegentliches Sticheln zu seiner Linken, wo Schmidt-Salomon sitzt, kann er sich nicht verkneifen. Wie er es denn gemeint habe, als er vorhin von rationaler Mystik gesprochen hatte, will er von ihm wissen. Dieses Parkett wird dem Befragten nun etwas zu glatt, seine Rede wird dunkel - "Das Geheimnis ist ja nicht in Worten zu fassen" -, und also sagt er, dass das durchaus eine Frage sei, dass es aber noch andere Fragen, spannendere Fragen gebe, die wir uns stellen müssten, und jäh wendet er sich vom wissenschaftlichen Disput zum politischen Aktivismus, hält die von ihm geförderte Zeitschrift der Ex-Muslime in die Höhe, in der die Gewalt islamischer Fundamentalisten verurteilt wird, und erntet dafür Beifall.
Was bleibt am Ende der "munteren Diskussion"(Markschies)? Muss sich die Giordano-Bruno-Stiftung in Ernst Haeckel-Stiftung umbenennen, oder muss sie sich künftig verstärkt um die "rationale Mystik" und die "Poesie des Wissens" bemühen, um mit Recht ihren Namen zu tragen? Alexander Polzin, der Bildhauer, der die Debatte aus gelassener Distanz verfolgt, begegnet dem Treiben mit seiner eigenen Form der Lakonik. Das sei im Moment ein bisschen hitzig, sagt er, und jeder versuche, Bruno für sich zu vereinnahmen. Doch das Denkmal werde auch in fünfzig Jahren noch an seinem Ort im Zwischendeck stehen, wenn der Qualm der Diskussion verraucht sei.
Text: F.A.Z., 05.03.2008, Nr. 55 / Seite 42
Das immerwährende Grauen
Ausgrabungsarbeiten mit dem Auge: Morgen eröffnet die Bilderreihe
»Zeitalter der Angst« von Alexander Polzin in der jW-Ladengalerie
Von Anja Trebbin
Es sind warme Farben, die die 99teilige Bilderreihe des Berliner Künstlers Alexander Polzin dominieren: tiefe Braun- und Rottöne, Gelb in allen Schattierungen und ein leuchtendes Orange. Auch dem kühlen Farbspektrum, blau und grün, fehlt jedes Eis. Die ursprüngliche Reinheit des Weiß erscheint durch andere Farbnuancen gebrochen.
»Zeitalter der Angst« lautet der Titel dieser Reihe. Um Beunruhigung, Spannung und Furcht optisch einzufangen, braucht der 1973 in Berlin geborene Polzin keine dunklen, kalten und harten Farben, keine vordergründigen Symbole. Polzins subtiler Ansatz erhebt sich über jede plakative Bemühung um den Schock. Die 99 Bilder (jeweils 30x40 cm) sind ab Dienstag in der jW-Ladengalerie zu sehen. Sie stellen eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Poem »The Age of Anxiety« des englischen Schriftstellers W.H. Auden (1907-1973) dar. Das Gedicht entstand während des zweiten Weltkrieges. Zwar beeinflußt die Kriegsatmosphäre Audens Schreiben, aber es geht keinesfalls nur um die konkrete Angst vor einer spezifischen Bedrohung, sondern um die Permanenz des Schreckens, den Grundzustand einer immerwährenden Angst, die unterschwellig auch den ganz gewöhnlichen Alltag prägt.
Das Thema der allgemeinen Kälte, des ganz normalen Grauens ist auch wesentlich für Polzins Bilderzyklus. Zwar läßt sich hier auch eine Erinnerung an die in aller Welt geführten Kriege herauslesen, aber das ist nur eine mögliche Verständnisebene.
Damit erweisen sich die Versprechen der Aufklärung - allgemeiner Fortschritt, Emanzipation, Wohlstand - als Schimäre. Die Aufklärung torpediert sich in ihrer Dialektik selbst: Es ist ihre eigene Logik, die die Apparate, Technologien und Institutionen schuf, mittels derer sie sich in ihr Gegenteil verkehren konnte. Das war Adornos These, wie er sie zusammen mit Max Horkheimer in der »Dialektik der Aufklärung« (1947) entwickelt. Solange nicht die gesellschaftlichen Bedingungen eines Rückfalls in die Barbarei überwunden sind, kann auch die Kultur keinen Schutz garantieren. Im Gegenteil: Kultur funktioniert ideologisch in dem Sinne, daß sie den Schein allgemein überwundener Not vorgaukelt. Doch die Kälte, die das normale Alltagsleben bestimmt, quillt durch die Risse der Oberfläche hindurch. Diesem alltäglichen Drama hat sich Polzin mittels mehrerer künstlerischer Techniken gestellt.
Der Betrachter der Bilderreihe wird zum Archäologen. Sein Auge muß Ausgrabungsarbeit leisten. Schicht für Schicht gilt es, die Sedimentierungen Polzins zu durchdringen. Mit einer selbst entwickelten Abschab-, Kratz- und Schaufeltechnik entbirgt der Künstler aus den collageartigen Ablagerungen sein Bild. Die Aufklärung zerstört, indem sie schafft. Ihre Dialektik verkehrt sich im Arbeitsprozeß Polzins ins Gegenteil: Er gewinnt sein Bild, indem er zerstört.
Polzin arbeitet mit immer wiederkehrenden Motiven: Rosen, Gesichter, Körper, Stühlen mit Rädern, die sofort die Assoziation »Rollstuhl« hervorrufen. Hinzu kommen Worte aus eingefügten und bearbeiteten Zeitungsfetzen. Viele Einzelbilder bleiben abstrakt. Beunruhigende Spannung entsteht durch die widersprüchliche Gleichzeitigkeit von harmonischer Bildgestaltung in warmen Farben und angedeuteter Bedrohung. Die Gefahr spiegelt sich in den dargestellten Gesichtsausdrücken, den dramatischen Kontrasten, der Bedeutung vereinzelter Worte (Coca Cola als Symbol des amerikanischen Imperialismus?), sowie der Gewalt der Gestaltungstechnik, die allen Bildern Tempo und Aufruhr verleiht.
Obwohl sich der Künstler explizit auf Audens Dichtung bezieht, verweigert er deren Illustration. Zwar ist jedes Einzelbild einem Gedichtfragment zugeordnet, und die innere Logik des Poems wird bewahrt, aber dennoch behauptet das Fries seine Eigenständigkeit. Moshe Zuckermann, Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv, eröffnete 2007 in Herzliya (Israel) die Ausstellung des Bilderzyklus. Er erklärte: »Wesen und Gehalt der Bilder sind nicht notwendig an Textkenntnis gekoppelt.«
Die 99 Elemente des Gesamtwerks sind durchnumeriert, ihre Ziffern meist sogar in den Bildaufbau integriert. Doch hierbei geht es nach Zuckermann nicht darum, die Rezeption im Sinne einer sukzessiven, diachronen Betrachtungsfolge zu lenken. Die Einladung zur individuellen Durchbrechung der Sequenz bleibt zwar unausgesprochen, entsteht jedoch automatisch. So wird sicher jedes Betrachterauge schnell die Motive herausfiltern, die subjektiv am anziehendsten wirken. Und doch kann die kontemplative Versenkung ins Einzelmotiv nur in der Rückbindung an das Ganze - deren integraler Teil es ist - ihre Kontingenz überwinden um schließlich zu voller Wirkung gelangen.
Die Ausstellung »Zeitalter der Angst« wird am Dienstag in der Ladengalerie der jungen Welt eröffnet. Auf der Vernissage soll verwirklicht werden, was Zuckermann bereits als Möglichkeit beschrieb: die Bereicherung um eine musikalische Dimension. Mit dem Komponisten Amos Elkana, geboren 1967 in Boston, USA, hat Polzin bereits in der Vergangenheit mehrfach zusammengearbeitet. Dessen futuristische Elektroakustik-Komposition »The Age of Anxiety« wird die Bildimpressionen musikalisch ergänzen. Eine Idee, die Chancen und Gefahren birgt: Einerseits die Chance einer wechselseitigen Verstärkung und Potenzierung der Eindrücke, andrerseits die Gefahr des Autonomieverlustes von Bild, Dichtung und Musik - die Auflösung in einem amorphen Kunstkonglomerat. Man darf gespannt sein. Der Theologe und Vorsitzende der VVN-BdA Heinrich Fink hält die Eröffnungsrede. Anschließend gibt es eine Lesung mit dem politischen Dichter Michael Mäde (siehe jW vom 23.2.).
Von Polzin stammen auch drei Skulpturen, die das »Denkmal Giordano Bruno« bilden. Eine steht in der süditaliensischen Kleinstadt Nola am Fuß des Vesuv. Es ist der Geburtsort des 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannten Dichters, Philosophen und Religionsgegners. Die zweite steht in Budapest und die dritte wurde am Sonntag nachmittag in Berlin enthüllt, auf dem Territorium der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz. Im Gedenken an Bruno verbindet sich die Erinnerung an vergangene Pogrome mit der Warnung vor neuen. Dieses Vermächtnis wird auch im Bilderzyklus »Zeitalter der Angst« bewahrt und fortgeschrieben.
03.03.2008 / Feuilleton / Seite 12
Vielschichtig
Von Anja Trebbin
Die Stühle reichen nicht aus für die Besucher, die am Dienstag abend zur Eröffnung der Ausstellung »Zeitalter der Angst« in die jW-Ladengalerie gekommen sind. Gezeigt werden Bilder des Berliner Künstlers Alexander Polzin. Nach einer kurzen Begrüßung durch Michael Mäde, politischer Dichter und Organisator der Vernissage, erhält Heinrich Fink (Foto) das Wort. Der Theologe und Vorsitzende der VVN-BdA beschreibt das Poem W.H. Audens, das den 99 Bildern zugrunde liegt, die das Kernstück der Schau bilden (siehe jW vom 3. März), als »eine Elegie des Erschreckens über sich selbst.« Dieser Dichtung habe Alexander Polzin eigenständige Gestalt und Farbe verliehen. Doch Angst bedeute nicht nur Lähmung angesichts einer Katastrophe, Angst könne auch aufrütteln. Als Hauptwerkzeug gegen den alltäglichen Schrecken bestimmt Fink die Aufklärung, der auch die Werke Polzins verpflichtet seien. Seit dem 1. März mahnt seine Skulptur Giordano Brunos am Potsdamer Platz zu Vernunft und Toleranz. »Alexander hat um diesen Platz gekämpft«, sagt Fink.
Anschließend trägt Michael Mäde eigene Texte vor, die sich ebenfalls mit dem Thema Angst in verschiedensten Formen befassen. Konkrete Bedrohungen, z. B. durch neofaschistische Tendenzen in der Gesellschaft, behandelt Mäde genauso wie das unterschwellige Grauen, das den Hintergrund der Existenz bilden kann. »Was wißt ihr vom Ritt über die Berge auf dem Rücken der eigenen Angst?«, läßt er seinen Ich-Erzähler fragen. Sätze wie »Auch meine Söhne erfinden das Rad wieder neu« sprechen von einem gewissen Geschichtspessimismus. Lyrik oder Prosa? Mädes Arbeit mit der Sprache entzieht sich solchen Klassifikationen.
Der Komponist Amos Elkana (USA) schließlich bereichert Wort und Bild um die musikalische Dimension. Übereinander geschichtete Ebenen: Bei Alexander Polzin sind es Farben und Werkstoffe, bei Elkana nicht nur die Klänge seiner Gitarre. »In meinen Stücken existieren gleichzeitig drei Soundebenen«, beschreibt der Komponist. »Für die erste Schicht wurden die Bilder eingescannt und in ein Audio-File übersetzt. Die zweite Ebene basiert auf einer Aufnahme von fünf Schauspielern, die in einer Bar in San Francisco Audens Texte lesen. Meine eigenen Impressionen bilden die dritte Schicht.« Auf diese Weise vertont Elkana die Bilder Polzins und bewahrt dennoch die Eigenständigkeit der Musik. Töne erklingen in allen Ecken des Raumes. Sie schwellen an. Kurz bevor die Intensität nicht mehr zu ertragen wäre, brechen sie ab. Stimmen; und schließlich Momente der Ruhe, die von neuen akustischen Höhepunkten abgelöst werden. Nachdem Elkana die Gitarre zur Seite gelegt hat, erfüllen Klänge von ihm bis zum Ende der Vernissage den Raum. Aufklärung kann besinnlich sein.
06.03.2008 / Feuilleton / Seite 13
Ein Sucher, der sich selbst vernichtete
Ketzerische Fragen:
Wäre Giordano Bruno heute ein guter Hochschul-Präsident
oder eher ein Chaos-Forscher?
Am Bahnhof Potsdamer Platz steht zwischen Abgang und Unterwelt ein hölzerner Mann auf dem Kopf. Er wurde am 17. Februar 1600 auf dem römischen Campo dei Fiori verbrannt. Vor dem Schädel ist ein Zitat eingelassen: "Lachhaft zu sagen, außerhalb des Himmels sei nichts. Es gibt nicht eine einzige Welt, eine einzige Erde, eine einzige Sonne, sondern so viele Welten, wie wir leuchtende Funken über uns sehen." Über den Grenzüberschreiter und seine Art, Traditionen auf den Kopf zu stellen, hat jetzt das Max-Planck-Institut ein Kolloquium veranstaltet. In der Humboldt-Universität (HU) fragt eine Diskussion nach seiner Aktualität.
Zu Beginn liest Ulrich Matthes Verse des Dichters und Philosophen. "Ich trage den Stern und der Stern trägt mich selber. Ich trage den Himmel und der Himmel trägt mich. So kann ein Einzelner, auch möge er allein sein, siegen." Giordano Bruno, verklärt zum Inbild einer autonomen, weltumarmenden Zivilcourage.
Geboren 1548 bei Neapel, hat der Soldatensohn und Dominikaner, angeregt durch antike Naturphilosophie und das heliozentrische Weltbild des Kopernikus, im Jahrhundert der (Gegen-)Reformation seine Ideen entwickelt: Er behauptet die Unendlichkeit und Ewigkeit des Alls, was ein Jenseits und ein Jüngstes Gericht offenbar ausschließt, er verwirft die Gottessohnschaft Christi. Sein Universum unendlich vieler Welten besteht aus passiver Materie samt göttlicher Weltseele. In Verschiedenheiten der konkreten Welt sieht der Pantheist die Vielgestaltigkeit des einen Wesens ausgedrückt. Auf Stellensuche durchwandert er Europa, konvertiert zum Calvinismus, wird in Genf ebenso exkommuniziert wie von deutschen Lutheranern; bewirbt sich auf den Lehrstuhl in Padua, den Galilei erhält. Wird nach acht Kerkerjahren in der Engelsburg wegen Ketzerei hingerichtet.
Zum Disput über Bruno haben sich in der HU auch Laizisten eingefunden, die in Gelächter ausbrechen, als kirchliche Repräsentanten erwähnt werden, die eine Einladung nicht angenommen hatten. Mit seiner Stilisierung zum Feindbild der Hierarchie ist jedoch noch nicht klar, wer er genau gewesen sein soll: War Giordano Bruno ein Aufklärer?, fragt Moderator Christoph Markschies. Ein Hier-stehe- ich-und-kann-nicht-anders- Luther?
Für den Wissenschaftshistoriker Yehuda Elkanah aus Budapest ist er einer, der alle "Gegensätze umarmt". Den Islamwissenschaftler Reinhard Schulze (Bern), der die Exekution eines muslimischen Ketzers im Orient ungefähr zur gleichen Zeit erwähnt, beeindruckt, wie im Fall Bruno Kritik und Institution sich gegenseitig radikalisieren. Der Renaissance-Philosophie-Experte Paul Richard Blum aus Baltimore sieht ihn als einen Sucher, der sich selbst vernichtete - und als "alter Scholastiker" Konsequenzen eines Gedankens jeweils auf allen Gebieten durchgerechnet habe.
Welche Institution würde heute einen solchen Ausbrecher verkraften? Höchstens der Vatikan oder das Santa-Fé-Institut für Chaos und Komplexität, meint Elkanah. Blum erinnert daran, dass Bruno, der Bewerber um akademische Posten, paradoxerweise institutionell dachte und schlägt ihn als Unipräsidenten vor. Schulze unkt, keine Alma Mater würde Bruno heute rufen, er fände - in Teheran oder sonstwo - seinen Scheiterhaufen.
Das Opfer Bruno, der Kämpfer gegen Gedankentyrannei, ist die populäre Projektionsfläche. Am deutlichsten verfängt sich Michael Schmidt-Salomon in dieser Romantisierungsfalle. Als brillanter Poet würde Bruno heute freischaffend bleiben, sagt der Vorsitzende der Giordano- Bruno-Stiftung. Höchstens ein transdisziplinäres Team, das die Trennung von Natur- und Geisteswissenschaft überwinde und mithilfe "rationaler Mystik" den transzendenten Überschuss der Wissenschaft bearbeite, würde er leiten.
Rationale Mystik - ist das die schwarze Kiste für alle ungelösten Fragen?, frotzelt Markschies und lenkt zum Themenfeld "Recht und Grenzen der Vernunft". Schmidt-Salomon spitzt zu: Gerade sei in Berlin ein Mitglied des Zentralrats der Ex-Muslime bewusstlos geschlagen worden. An der Spitze der freiheitsfeindlichen Religionen stehe heute der Islam. Keine Religion habe bislang die Aufklärung bewältigt, verteidigt der Islamwissenschaftler.
Thomas Lackmann
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 10.03.2008)
Guido del Giudice
Da Nola a Berlino
31 Marzo 2008
Il monumento di Postdamer Platz. Un monumento dello scultore Alexander Polzin per ricordare la vita e l'opera del filosofo Giordano Bruno è stato installato in Postdamer Platz a Berlino, nell'area antistante l'ingresso alla Torre Bahn. La cerimonia di inaugurazione della scultura in bronzo si è tenuta lo scorso 2 marzo. Nel corso della cerimonia hanno preso la parola Andre Zeug (Deutsche Bahn Station & Service AG), Durs Gruenbein (Author), Ernst Salcher (Fondazione Giordano Bruno) e l'Ambasciatore della Repubblica Italiana in Germania Antonio Puri Purini, L'iniziativa è stata sponsorizzata da UniCredit.
La scultura di Polzin arricchisce uno spazio che è considerato una delle piazze centrali europee, al cui riordino ha partecipato anche l'architetto Renzo Piano. Altre due sculture di Polzin dedicate a Bruno erano state installate negli scorsi anni a Budapest (nel 2000, in occasione della 400 esima ricorrenza del rogo di Giordano Bruno) e due anni dopo nel comune di Nola (un modello in legno).
«Come rappresentante di uno Stato membro dell'Unione Europea relativamente giovane, sono del parere che dobbiamo adoperarci non solo per il comune settore economico dell'Europa, ma anche per la sua complessa e provocante cultura. La persona di Giordano Bruno offre un'occasione eccellente, per ciò penso che la scultura sia in grado di offrire il suop contributo a un iniziale comune dialogo sui parametri etici futuri di un'Europa unita», ha commentato l'Ambasciatore ungherese Sandor Peisch in una lettera inviata a Polzin. Dello stesso parere anche Salvatore Settis, direttore della Scuola Normale Superiore di Pisa: «Un monumento a un grande pensatore italiano in una piazza di Berlino può essere oggi un nuovo segnale del formarsi della nostra grande patria europea».
Il Max Planck Institute ha contribuito ad enfatizzare il contenuto culturale dell'iniziativa organizzando, in concomitanza con l'installazione dell'opera, un evento congressuale dedicato al grande pensatore italiano. Jurgen Renn, direttore dell'Istituto, ha dichiarato che «Il monumento di Polzin è sotto ogni aspetto eccezionale. Di solito il grande pensatore di Nola viene rappresentato come eroe o come eretico. Polzin sceglie invece di una semplice rappresentazione superficiale e eroica una raffigurazione che è affine al pensiero di Bruno.
L'estremo allungamento verso il cielo mostra la pretesa di Bruno. Un risultato superiore diventa solo possibile se vi è un massimo sviluppo della capacità umana. La posizione in verticale allude ancora al significato che Bruno attribuisce alla forza dell'immaginazione umana, che si compie all'inizio di ogni svolta decisiva nella storia mondiale attraverso l'uomo. Nello stesso tempo l'uomo di Bruno pensa con le mani alle quali spettano, nell'interpretazione di Polzin, una posizione comparativamente elevata. Le qualità estetiche della scultura di Bruno prodotta da Alexander Polzin vanno anche oltre il pensiero di Giordano Bruno. Non solo la singolare figura e la sua androginità invitano a pensare. Il corpo consumato, che allo stesso tempo sembra, oltrepassando la testa, conficcato in terra evoca il ricordo di tutte le vittime del pensiero totalitario.
Bruno era sotto diversi aspetti un visionario. Era uno dei primi che inventò anche delle nuove forme per testi "scientifici", usò un linguaggio moderno, si considerò più che altro uno studioso europeo e a casa ovunque. Per quanto lontana possa essere per noi, per qualche suo aspetto, la figura del pensatore di Nola, tanto rimane per noi il simbolo di una scienza libera e altrettanto responsabile e riflessiva che deve essere creativa per trovare del nuovo».
Chi era veramente Giordano Bruno?
Busto dedicato a Giordano Bruno - Montella (Avellino)A questa domanda sono state date, specie negli ultimi sette anni, a partire dal "giubileo bruniano" del 2000, le risposte più disparate. Manipolando con disinvoltura un pensiero e una produzione letteraria multiformi e magmatici, in parecchi si sono lanciati in interpretazioni il più delle volte arbitrarie e lontane dalla realtà del personaggio, per incompetenza o, peggio ancora, per partito preso. Mago, stregone, millantatore, spia, puttaniere, arrogante e presuntuoso attaccabrighe: queste le malevoli accuse rivolte al Nolano da baciapile clericali e neocon, o da nazionalisti anglosassoni travestiti da studiosi, ancora assetati di vendetta per come Bruno aveva trattato la rustica inciviltà della plebe inglese e l'ottusa pedanteria dei dottori di Oxford.
Nihil sub sole novum, come egli amava dire: questa storia va avanti ininterrottamente ormai da quattro secoli. Addirittura ci fu chi arrivò a sostenere che l'intera vicenda del rogo fosse tutta un'invenzione! Ancora oggi dobbiamo sentirci raccontare che, in fondo, storicizzando, Bruno fu trattato fin troppo bene, ospitato al Grand Hotel Tor di Nona e torturato con una piuma sotto i piedi! Secondo costoro non ha nulla di barbaro rosolare a fuoco lento un pensatore, solo per aver asserito qualcosa di contrario ai dogmi della Chiesa cattolica! Arthur Schopenhauer, a quasi tredici secoli di distanza, ancora tremava al pensiero di "quell'essere delicato, spirituale e pensoso nelle mani di rozzi preti rabbiosi quali suoi giudici e carnefici".
Guasti ancor maggiori producono coloro che, accecati da un anticlericalismo bieco al punto da far diventare simpatici perfino i suoi carnefici, propagano idiozie come quelle di un Bruno "ateo" o addirittura "femminista"! Pensatore difficile, dallo stile ostico, soprattutto per chi non si prende minimamente la briga di leggerlo, non potendone contestare l'indubbia grandezza in campo speculativo, si è sempre cercato di criticarne il carattere, da lui stesso definito "restio e bizzarro". In realtà egli sapeva essere altrettanto riconoscente nei confronti di chi gli dimostrava rispetto e tolleranza, quanto irascibile con chi lo trattava in modo ostile.
Come avrebbe potuto sopportare passivamente il disprezzo di oscuri pedanti o di studiosi con la puzza sotto il naso, al suo confronto ricchi di mezzi ma scarsi d'ingegno, un uomo che riscuoteva l'ammirazione e la confidenza di sovrani del calibro di Enrico III di Francia o Elisabetta I d'Inghilterra? Come volete che potesse occuparsi di spionaggio colui la cui mente era intenta a spaziare nell'universo per comporre opere immortali come il De minimo o il De immenso? E se anche fosse, si storicizza la condanna della Chiesa, definendola adeguata ai tempi, e non si considera che un umile prete scomunicato, inviato a Londra al seguito dell'ambasciatore francese, doveva, se richiesto, rendere conto all'imperatore suo protettore delle trame di cui fosse venuto a conoscenza? Se poi ve lo figurate come un'attivista in giro per le corti e le accademie per sostenere i diritti dei liberi pensatori, vi sbagliate ugualmente di grosso. Egli non fu un martire, fu semplicemente un pensatore coerente fino allo stremo. Al di là delle ritrattazioni, delle parziali abiure, delle contraddizioni, che testimoniano, semmai, tutta la sua profonda umanità, quel che conta, e che nessuna delle generazioni venture gli negherà, è l'essere andato fino in fondo, a fermo viso.
Bruno era uno di quegli esseri geniali in anticipo sui tempi, quei Mercuri inviati sulla terra in tempi stabiliti, ispirati da una visione profetica dell'umanità e dell'universo. Come tutti gli esseri di tal fatta egli è stato e sarà sempre odiato dai meschini pedanti, invidiosi di tutto ciò che non arrivano a capire, da quegli uomini "piccolini" chiusi nel loro ottuso particulare per non svanire al confronto dell'immenso, insomma da quei corpi umani con anime bestiali che il Nolano smascherò col suo Circino incantesimo. Era uno che conosceva il proprio valore e rispettava quello degli altri, quello vero però, non quello stabilito dalle consuetudini e dalle convenienze. Era uno che diceva pane al pane e vino al vino. Era uno che amava la vita in tutti i suoi aspetti e che in tutte le sue manifestazioni riconosceva l'espressione della divinità. Era uno che credeva nell'uomo, quello vero, corpo e anima doc: l'unico capace di giungere, attraverso un "disquarto" intellettuale, alla visione dell'eterno. Ed era, questo si, il nemico implacabile e convinto di tutti "quegli uomini stolti e ignobilissimi che non riconoscono nobiltà se non dove splende l'oro, tintinna l'argento, e il favore di persone loro simili tripudia e applaude". Sono parole tratte dall' Oratio Valedictoria, una delle "Due Orazioni" (l'altra è la Consolatoria) pronunziate durante il suo soggiorno in Germania e di cui esce, proprio in questi giorni presso l'editore Di Renzo, una mia traduzione . Vi si trovano, celati sotto il magniloquente tono d'occasione, gli ideali che Bruno perseguì durante tutta la sua vita, fino all'estrema conseguenza del rogo di Campo de' Fiori. Quel triste epilogo sarà stato pure inevitabile, per come andavano le cose a quel tempo, ma rimane ugualmente il monito più emblematico e rappresentativo, acché una simile infamia non si ripeta mai più.
Guido del Giudice
Guido del Giudice
From Nola to Berlin
March 31, 2008
The monument on Posdamer Platz. A monument by sculptor Alexander Polzin has been installed in Postdamer Platz in Berlin, in the area opposite the entrance to the Bahn Tower, to commemorate the life and work of philosopher Giordano Bruno. The inaugural ceremony for the bronze sculpture was held on March 02, 2008. During the ceremony, the speakers were Andre Zeug (Deutsche Bahn Station & Service AG), Durs Gruenbein (writer), Ernst Salcher (Giordano Bruno Foundation) and the Ambassador of the Republic of Italy in Germany, Antonio Puri Purini. The event was sponsored by UniCredit.
Polzin's sculpture adds to a space that is considered as one of the fundamental squares of Europe. Renzo Piano was one of the architects contributing to its refurbishment. Another two sculptures by Polzin dedicated to Bruno have been installed in recent years, in Budapest (2000, on occasion of the 400th anniversary of Giordano Bruno's execution at the stake), and two years later, in the municipality of Nola (a wooden model).
"As a representative of a relatively young Member State in the European Union, I believe that we have to work not only to improve the overall economic situation of Europe, but also to enhance its complex and provocative culture. The figure of Giordano Bruno offers an excellent opportunity, and therefore I think that this sculpture represents a contribution to an initial shared discussion on the future ethical parameters of united Europe", said Hungarian Ambassador Sandor Peisch in a letter sent to Polzin. Salvatore Settis, director of the Scuola Normale Superiore school, Pisa, was of the same opinion: "A monument to a great Italian thinker in a square in Berlin could today be a new symptom of the development of our great European fatherland".
The Max Planck Institute helped highlight the cultural content of the event by organizing, on the occasion of the work's installation, a congress dedicated to the Italian philosopher. Jurgen Renn, director of the Institute, declared that "Polzin's monument is exceptional in every way. Usually the great Nolan thinker is portrayed as a hero or as a heretic. Polzin, on the other hand, has chosen a simple, superficial and heroic depiction, close to Bruno's thought.
The extreme elongation towards the sky expresses Bruno's aspirations. Positive results are possible only if human capabilities are developed to the utmost. The vertical position alludes to the significance that Bruno attributed to the power of human imagination, which determines the start of every decisive change in world history implemented by mankind. At the same time, the human figure depicting Bruno thinks with his hands, which in Polzin's interpretation are given a comparatively elevated position. The aesthetic qualities of the sculpture of Bruno made by Alexander Polzin actually transcend the thoughts of Giordano Bruno. Not only does the unusual figure and its androgynous nature invite reflection. The consumed body, which at the same time seems to be buried in the ground, beyond the head, evokes the memory of all victims of totalitarian thought.
Bruno was a visionary in many ways. He was one of the first thinkers to invent new forms of "scientific" texts, and he used a modern language: he considered himself primarily a European scholar, at home anywhere. Though he may seem very distant from us, in some ways the figure of the Nolan thinker remains for us a symbol of a free, responsible and reflective form of science, one in which creativity is essential in order to discover something new."
Who really was Giordano Bruno?
A bust of Giordano Bruno - Montella (Avellino)All sorts of answers have been given to this question, particularly over the last seven years, after the "Bruno jubilee" in 2000. Many scholars have exploited his multifarious and magmatic literary production in order to develop arbitrary interpretations, generally far removed from the real identity of the philosopher, whether due to incompetence or, worse, their own personal positions. Wizard, magician, braggart, spy, whoremonger, arrogant and presumptuous troublemaker: these are some of the vicious accusations often directed at the Nolan philosopher by clerical Pharisees and neo-conservatives, or by English nationalists in the guise of scholars, still thirsting for revenge for the way in which Bruno condemned the rustic incivility of the British commoners and the obtuse pedantry of the Oxford dons.
Nihil sub sole novum, as he was wont to say: such accusations have persisted uninterruptedly for four centuries. Some have even claimed that the entire story of his burning at the stake was a pure invention! Still today one often hears that, in a historical context, Bruno received a more than fair treatment, given hospitality at the "Grand Hotel" Tower of Nona and tortured with a feather on the soles of his foot! According to the people who think thus, there is nothing barbaric in having roasted a thinker on a slow fire just because he had proposed a theory that ran against the dogmas of the Catholic Church! Arthur Schopenhauer, after the space of almost three centuries, still trembled at the thought of "that delicate, spiritual and cognizant being in the hands of crude and angry priests, his judges and executioners".
Even greater damage is wrought by those who, blinded by an attitude that is so abjectly anti-clerical as to make even his executioners seem like friendly individuals, propound absurdities such as an "atheist" or even a "feminist" Bruno! He was, it is true, an unconventional thinker with a difficult style, above all for those who have never even attempted to read his writings. As it is impossible to criticize his undoubted mastery in the realm of speculative thought, he is consistently criticized for his character, defined by himself as "restless and bizarre". In actual fact, he demonstrated recognition and gratitude to those who treated him with respect and tolerance, to the same degree that he was quick-tempered with those who showed him hostility.
How could a man admired and trusted by sovereigns of the stature of Henry III of France or Elizabeth I of England have ever been able to remain dispassionately unmoved by the disdain of obscure pedants or by scholars in their ivory towers, rich in means but impoverished in thought? Could it have ever been possible that a figure whose mind explored the universe and composed immortal works such as De minimo or De immenso could have stooped to spying? And even if this were the case, how is it possible that the Church's condemnation be justified in its historical context and defined as fitting for that day and age, without considering that a humble ex-communicated priest, sent to London in the retinue of the French ambassador, was obliged, if so requested, to tell the emperor, his patron, of the plots that he discovered? If, then, he is considered as a revolutionary, travelling from one court or academy to another to uphold the rights of free thinkers, yet another great mistake has been made. He was not a martyr, but just a thinker who remained consistent right up until the bitter end. Apart from the retractions, the partial recantations and the contradictions which only go to demonstrate his fundamental humanity, what really matters, something that was never denied by successive generations, was that he continued unflinching on his path right to the end.
Bruno was one of those brilliant men far ahead of his times, a messenger sent to the earth at the appropriate moment, inspired by a prophetic vision of humanity and of the universe. Like all such individuals, he was and always will be hated by paltry pedants, who are envious of everything that they are incapable of understanding, and by those "small" men locked into their obtusely minimal dimension in order to avoid having to confront the immensity of the infinite, in other words those human bodies with animal souls that Bruno unmasked with his Circean enchantment. He was a figure who was conscious of his own value and respected the value of others, but their real value, and not that dictated by habit and conventions. He was a man who called a spade a spade. He loved all aspects of life, and he recognized the expression of the divine in all living forms. He believed in man, real man, body and mind. He was the only person capable of achieving a vision of eternity by means of intellectual dissection. And there is no doubt that he was an implacable and convinced enemy of "all those ignorant and ignoble individuals who are incapable of recognizing nobility without the gleam of gold and the sound of silver, and who acclaim and applaud such people in order to win their favours". These are words from the Oratio Valedictoria, one of the "Two Sermons" (the other is the Oratio Consolatoria) given during his stay in Germany: it has recently been published by Di Renzo as an Italian translation, by the writer of this article. This work encapsulates, hidden under the magniloquent tones of the occasion, the ideals pursued by Bruno during his entire life, right through to the fateful consequences at the stake in Campo de' Fiori. That sad epilogue may have been inevitable, considering that day and age, but equally it remains an emblematic and telling admonishment, in the hope that such an infamous action will never again be perpetrated.
Guido del Giudice
Science 14 March 2008
Vol. 319. no. 5869, p. 1467
DOI: 10.1126/science.319.5869.1467d
THINK ABOUT IT. A statue of an upside-down figure, evocative of flames, is a new reminder of the value--and the price--of free thought. The memorial to Giordano Bruno, who was born 450 years ago, was unveiled on 2 March in Berlin's Potsdamer Platz station. The statue commemorates the one-time Dominican monk who was burned at the stake in 1600, primarily for denying the divinity of Christ, but also for supporting the Copernican model of the solar system and for his idea that the universe contained a multitude of suns and Earth-like worlds. The sculpture, by Alexander Polzin, is symbolic of the way scientific discoveries and revolutions happen, "by turning a worldview on its head," says Jürgen Renn of the Max Planck Institute for the History of Science in Berlin, which hosted an associated symposium this week on Bruno. The 6-meter-high sculpture is designed to "irritate" passersby into reflecting on the role of human reason in making the world a better place, says Ernst Salcher of the Giordano Bruno Foundation, which helped fund the project.
CREDIT: PERCY VOGEL
BERLINER ZEITUNG
Archiv » 2008 » 22. April » Berlin
Hals über Kopf
Im Jahr 408 des Todes von Giordano Bruno wird dem italienischen Dichter und Philosophen am Potsdamer Platz gedacht. Der Berliner Bildhauer Alexander Polzin hat das sechs Meter hohe Denkmal geschaffen. Bruno war am 16. Februar 1600 wegen Ketzerei in Rom verbrannt worden. Zu dem Urteil soll er gesagt haben: "Mit mehr Angst verkündet Ihr das Urteil, als ich es entgegennehme." Im Jahr 2000 erklärte der päpstliche Kulturrat die Hinrichtung für Unrecht.
Press Excerpts
der tagesspiegel
"Forward into the Past"
"...In the collection of plaster cast
antiques across from the Charlottenburger Castle, the young Berlin
artist cleverly placed his paintings and sculptures...it is, for the
visitors, like a journey of discovery from the past into the present.
Technically, as well in regard to the content of the work, Polzin is
a serious artist."
tageszeitung
"Going over the roofs"
"...For the sculptor Alexander Polzin, the
search for 'home' is what is important, and for his work figures
like Socrates and Kleist are just as close as the (Berlin) TV Tower.
"
KULTUR
"What is this angel doing near
Aphrodite?"
"His work tools are scalpel and knife,
but Alexander Polzin is not a doctor. He is a sculptor and painter.
In his exhibition "Freigräber" (a person who digs up a
grave or frees a grave) Polzin shows his most beautiful works.
... in opposition to the dead plaster statues, his round figures
cast in cement live in their bodies... the 8 sculptures from Polzin
placed among 800 antiques sometimes communicate with each other on
surprising levels..."
Ausschnitt aus der art 5/08

©2008 art DAS KUNSTMAGAZIN
Ausschnitt aus der Tiede 5/08

© Sanoma Magazines Finland 2008